Geschichte

Geschichte des Christopher Street Day

Wer heute etwas wissen möchte, der schlägt es einfach bei Wikipedia nach. Das geht in der Regel nicht nur schnell, sondern ist in den meisten Fällen auch sehr informativ und hilfreich. Manchmal spiegeln diese Artikel aber auch genau das wider, was die Gesellschaft in einem bestimmten Thema sieht. So findet man unter der Rubrik „CSD“ bei Wikipedia fünf Zeilen zur Geschichte des Christopher Street Day und die folgende Formulierung:

 „CSD heute - In beinahe jeder größeren Stadt in Deutschland gibt es heute einen CSD, die größten in Köln (Cologne Pride) und Berlin. Die Paraden und Demonstrationen während des CSD stellen mittlerweile ähnliche Attraktionen dar wie beispielsweise Karnevalsumzüge oder die wesentlich neueren Technoparaden. In Köln hatte der CSD im Jahre 2002 (als Europride) mit 1,2 Millionen Beteiligten (Teilnehmende und Zuschauer) zum ersten Mal mehr Besucher in die Stadt gelockt als der Rosenmontagszug und war damit der bisher größte CSD in Europa.“

Das klingt natürlich erst einmal beeindruckend, aber der Christopher Street Day ist weder eine Attraktion, noch ein Karnevalsumzug oder eine Technoparade – zumindest sollte er das in unseren Augen nicht sein.

Im New York der 60er Jahre gehörte es zum alltäglichen Geschäft der Polizei, gewalttätige Razzien in Schwulenbars durchzuführen. Homosexuelle wurden diskriminiert, öffentlich bloßgestellt, angeklagt und immer wieder Opfer von staatlichen Gewaltübergriffen. Die Ängste der Betroffenen, ihrer Familien und Freunde waren groß, und trotz alledem waren sie bereit für das zu kämpfen, was ihnen am Herzen lag – für Freiheit und Gleichheit. So leisteten in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 die schwulen und lesbischen Gäste im "Stonewall Inn", einer Schwulenbar in der Christopher Street, Ecke 7th Avenue in Greenwich Village, zum ersten Mal einen gewaltsamen Widerstand gegen die Willkür der Polizei. Sofort entwickelte sich eine enorme, aber auch für die Mitstreiter gefährliche Solidarität unter den Betroffenen, sodass die aufrührerischen Aufstände in Greenwich Village noch einige Tage andauerten. Aus diesem unumgänglichen Gewaltakt entstand eine neue Bewegung der Emanzipation - Ende Juli gründete sich so aus den Aufständischen  die "Gay Liberation Front", welche erstmals in der Öffentlichkeit für die Toleranz gegenüber Homosexuellen kämpfte. Ihr Appell lautete "Gay Power", hierbei entschied sich die Gruppe bewusst für die Anlehnung an die "Schwarzenbewegung" und deren Motto "Black Power". Die GLF war zu diesem Zeitpunkt die erste Organisation, welche das verpönte Wort "gay" in ihrem Namen trug, um so ihren neu gewonnene Stärke  und ihren Stolz zum Ausdruck zu bringen. Im Gedenken an den Stonewall-Aufstand wurde nun jährlich ein Marsch in New York, vom Greenwich Village zum Central Park durchgeführt, so entstand die Tradition der Demonstrationsmärsche für die Rechte von Homosexuellen - der Christopher Street Gay Liberation Day.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/gesellschaft/gender/homosexualitaet/38838/geschichte-des-csd

Bereits 1972 wurde in Münster am 29. April eine erste größere Lesben- und Schwulen-Demonstrationen in der damaligen Bundesrepublik Deutschland durchgeführt. Erst im Jahre 1979 zog Berlin zeitgleich mit Bremen mit einer Demonstration für die Rechte von homosexuellen Menschen nach. In Deutschland etablierte sich schnell die Kurzform des ursprünglichen Protesttagsnamen von Christopher Street Gay Liberation Day zu CSD – Christopher Street Day. Diese Kurzform ist jedoch nur in Deutschland und der Schweiz so gebräuchlich, weltweit spricht man in der Regel von der Gay Pride oder der Pride Parade.

 (nach Dipl. SozPäd. M. Weller-Menzel [M. A. Sex.Päd.])

Sachsen-Anhalts CSD - Geschichte

Mitte der 1990er Jahre verfolgte der Lesben- und Schwulenpolitische Runde Tisch das Ziel, jedes Jahr in einer anderen Stadt in Sachsen-Anhalt einen CSD zu veranstalten. Dies gelang mit Unterstützung der lokalen Akteure dann auch 1996 in Magdeburg, 1997 in Halle und 1998 in Dessau.

Manchen ist vielleicht noch der CSD 1997 in guter Erinnerung, bei dem es neben einem bunten Straßenfest auf dem Markt auch eine Demonstration mit ca. 150 Menschen durch Halles Innenstadt gab, die ihren Abschluss in einer Diskussion mit 80 Menschen und abendlicher Party im Künstlerhaus 188 fand.

Nach 1998 riss zunächst der Faden der CSDs in Sachsen-Anhalt und wurde mit den SchwuLesBischen Straßenfesten in Halle und dem Liebigstraßenfest in Magdeburg wieder aufgenommen. Das Straßenfest in Halle, welches das BBZ "lebensart" seit 2001 in Eigenverantwortung organisierte, fand bis 2008 - mit Ausnahme 2004 auf dem Hallmarkt - auf dem Alten Markt statt.  In Magdeburg gab es seit dem Jahr 2000 das Liebigstraßenfest, für das einige Jahre später dann der Name "CSD in Magdeburg" verwendet wurde.

Im Jahr 2009 gab es in Halle zum ersten Mal eine Kooperation zwischen mehreren Vereinen in Halle, die gemeinsam einen CSD veranstalteten. Seitdem ist der Marktplatz der Ort des Straßenfestes - stets fand es mit guter Resonanz und bei meist gutem Wetter im Herzen Halles statt.

 (Ants Kiel)

Quelle: Foto von Dirk Boßhammer (CSD 2012)

 

 

 

 

 

 

 

Fotos von BBZ "lebensart"  CSD 2013